„Kaltkeimer: Warum manche Samen erst nach Kälte keimen-und wie du sie richtig aussäst“
- Andrea

- 3. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt einige Blumen und Heilkräuter wie z. B. Sonnenhut und Arnika, die ich schon seit Jahren in meinem Garten etablieren möchte. Aber jedes Jahr aufs Neue funktioniert es einfach nicht. Obwohl ich, nach meinem Verständnis, immer alles richtig gemacht habe: der passende Boden, der richtige pH-Wert, ein idealer Standort, ausreichend Licht und Wasser und trotzdem: Pustekuchen. Nichts tut sich. Ich war schon kurz davor, aufzugeben.
Dann hörte ich eines Abends an meinem wöchentlichen Stammtisch etwas, das mich hellhörig werden ließ. Dort wurde darüber gesprochen, dass es Samen gibt, die Feuer und Rauch benötigen, um überhaupt zu keimen. (Dazu wird es übrigens auch noch einen eigenen Artikel geben!)Ich dachte mir: Okay, spannend. Schauen wir uns das doch mal genauer an. Denn wenn es solche Spezialfälle gibt, was gibt es sonst noch?
Ich begann zu recherchieren, Lichtkeimer, Dunkelkeimer, pyrophile Pflanzen (Feuerkeimer) und dann fiel der Groschen: Kälte. Es gibt tatsächlich viele Pflanzen, deren Samen eine Kälteperiode durchlaufen müssen, um überhaupt zu wissen, dass es Zeit zum Keimen ist. Und plötzlich wurde mir klar, warum meine bisherigen Versuche gescheitert waren.
Solche Momente faszinieren mich immer wieder. Mutter Natur ist einfach unglaublich, nichts geschieht zufällig. Alles, was sie tut, hat einen Sinn, einen Zweck, ein übergeordnetes Prinzip.
Warum gibt es Kaltkeimer und was hat sich die Natur dabei gedacht?

Ich möchte euch das am Beispiel der Arnika erklären.
Viele Kaltkeimer stammen aus Regionen mit ausgeprägten Jahreszeiten, so auch die Arnika. Sie blüht etwa von Mai bis in den August hinein und bildet in dieser Zeit ihre Samen aus. Was würde nun passieren, wenn diese Samen direkt im Herbst keimen würden? Ganz einfach: Die kleinen, zarten Keimlinge würden dem Winter zum Opfer fallen und erfrieren, bevor sie überhaupt eine Chance hätten, zu überleben.
Deshalb hat die Natur etwas einfallen lassen: die Keimruhe. Die Samen der Arnika „wissen“, dass sie erst einmal eine längere Kälteperiode durchlaufen müssen, quasi einen Winterschlaf halten, bevor sie im kommenden Frühjahr mit dem Keimen beginnen. Erst dann ist die Zeit günstig genug, damit die junge Pflanze stark genug wird, um zu überleben.
Wie funktioniert das nun mit den Kaltkeimern genau?
Der Fachliche Begriff heißt „Stratifizierung“ und dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Die Natürliche oder die Künstliche, und das geht folgendermaßen.

Die Natürliche Stratifizierung ist wohl das einfachste. Die Samen werden einfach im Herbst dort ausgesät wo ihr die Pflanze im nächsten Jahr haben möchtet. FERTIG!
Bei der Künstliche Stratifizierung sieht es schon anders aus. Hier werden die Samen, die eine Kälteperiode zum Keimen benötigen, für einige Wochen im Kühlschrank gelagert, in der Regel bei 2 bis 12 °C. Dazu mischt man die Samen mit feuchtem Sand oder Vermiculit, füllt das Ganze in einen luftdurchlässigen Zip-Beutel oder kleinen Behälter und stellt es für 4 bis 12 Wochen kühl. Diese Methode simuliert den Winter und hilft den Samen, ihre natürliche Keimruhe zu überwinden. Nach der Kältezeit können die Samen wie gewohnt ausgesät oder direkt ins Freiland gebracht werden.
Jede Pflanze hat ihren eigenen Rhythmus, so auch die Kaltkeimer! Im Anschluss findest du ein paar Listen die dir einen Überblick verschaffen können.
Heilkräuter und Heilpflanzen, die Kaltkeimer sind
Pflanze | Lateinischer Name |
Arnika | Arnica montana |
Sonnenhut | Echinacea purpurea |
Johanniskraut | Hypericum perforatum |
Baldrian | Valeriana officinalis |
Eibisch | Althaea officinalis |
Enzian | Gentiana lutea |
Küchenschelle | Pulsatilla vulgaris |
Liebstöckel | Levisticum officinale |
Meisterwurz | Peucedanum ostruthium |
Alant | Inula helenium |
Augentrost | Euphrasia officinalis |
Wilde Malve | Malva sylvestris |
Beinwell | Symphytum officinale |
Schlüsselblume | Primula veris |
Andorn | Marrubium vulgare |
Zitronenmelisse | Melissa officinalis |
Wermut | Artemisia absinthium |
Lavendel | Lavandula angustifolia |
Pfefferminze | Mentha x piperita |
Kamille | Matricaria chamomilla |
Weitere Kaltkeimer unter Blumen und Wildstauden
Pflanze | Lateinischer Name |
Akelei | Aquilegia vulgaris |
Eisenhut | Aconitum napellus |
Trollblume | Trollius europaeus |
Leberblümchen | Hepatica nobilis |
Lichtnelke | Silene dioica |
Waldmeister | Galium odoratum |
Duftveilchen | Viola odorata |
Märzenbecher | Leucojum vernum |
Buschwindröschen | Anemone nemorosa |
Alpenveilchen | Cyclamen purpurascens |
Islandmohn | Papaver nudicaule |
Küchenkräuter, die Kaltkeimer sind
Kraut | Lateinischer Name | Hinweise zur Kältebehandlung |
Liebstöckel | Levisticum officinale | Typischer Kaltkeimer, 4–6 Wochen Stratifizierung |
Pimpinelle (Kleiner Wiesenknopf) | Sanguisorba minor | Kaltkeimer, draußen säen oder 4–6 Wochen kühl lagern |
Kerbel | Anthriscus cerefolium | Keimt besser nach Kälte, ideal: Herbstaussaat |
Sauerampfer | Rumex acetosa | Keimung verbessert sich nach Kälteperiode |
Gartenkresse | Lepidium sativum | Kein strikter Kaltkeimer, aber kälteverträglich – frühe Aussaat förderlich |
Estragon (Französischer) | Artemisia dracunculus | Samen oft steril, aber wenn vorhanden, dann licht- und teils kaltkeimend |
Majoran (Wildform) | Origanum majorana | Teilweise Kälteförderung, nicht zwingend nötig |
Bärlauch | Allium ursinum | Echter Kaltkeimer – braucht 6–12 Wochen Kälte |
Optionale Kaltkeimer (ist kein Muss, aber vorteilhaft)
Manche Küchenkräuter sind keine echten Kaltkeimer, aber eine Stratifizierung kann die Keimung beschleunigen oder vereinheitlichen. Dazu gehören:
Dill (Anethum graveolens)
Fenchel (Foeniculum vulgare)
Petersilie (Petroselinum crispum) lange Keimdauer, Kälte kann helfen
Schnittlauch (Allium schoenoprasum) verbessert Keimrate, aber keimt auch ohne
Bäume und Sträucher mit kaltkeimenden Samen
Pflanze | Lateinischer Name |
Eiche | Quercus robur |
Buche | Fagus sylvatica |
Hasel | Corylus avellana |
Hainbuche | Carpinus betulus |
Weißdorn | Crataegus monogyna |
Holunder | Sambucus nigra |
Wildapfel | Malus sylvestris |
Wildbirne | Pyrus pyraster |
Schlehe | Prunus spinosa |
Sanddorn | Hippophae rhamnoides |
Berberitze | Berberis vulgaris |
Eberesche (Vogelbeere) | Sorbus aucuparia |



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